Wofür brauchen wir den Schmerz?

Witzig wie die Realität die Phantasie oft einholt. Erst gestern habe ich meinem Sohn vorgeschwärmt, wie die Satare-Mawe Indianer in Brasilien ihren Kindern das Aushalten von Schmerzen beibringen.

 

Die Heranwachsenden müssen einen Handschuh vollgefüllt mit Feuerameisen für 10 Minuten tragen und dürfen dabei keinen Mucks von sich geben. Auf youtube kannst du dir anschauen, wie wir nach 10 Sekunden vor Schmerzen schreien. (Feuerameise)


Natürlich würde ich so ein Ritual von meinen Kindern niemals verlangen aber ein wenig mehr Abhärtung könnte nicht schaden.

 

Denn Schmerz ist eine Orientierungshilfe. Dort wo Schmerz ist, ist Handlungsbedarf. Und wenn ich vor den Schmerz immer davonlaufe oder ihn zudecke, kann ich keine Besserung herbeiführen.

 

Gerade die westliche Medizin neigt sehr gerne dazu Schmerzen niederzuspritzen. Egal ob es sich um den Rücken, das Knie oder seelischen Schmerz handelt.

Spritze rein – Schmerz weg – Problem gelöst.

 

Doch das ist ein folgenschwerer Irrtum. Die Ursache, die den Schmerz ausgelöst hat, ist noch immer vorhanden und wird unser System weiter schädigen.

 

Also ist der Schmerz eigentlich etwas positives, der genauso zum Leben gehört wie die Freude. In der Theorie klingt das vollkommen logisch aber die Realität sieht immer anders aus. Und das ist auch der Grund warum wir nur einen Schwarzenegger, einen Marcel Hirscher oder einen Ronaldo haben, wo doch viele gern so erfolgreich wären. In der Theorie wissen wir alles aber in der Realität?

 

Und hier beginnt die Realität die Phantasie einzuholen. Nachdem ich in der Früh den Kindern meine Geschichte erzähle, beginnt am Nachmittag eine Tortur ohne Gleichen.

Zahnschmerzen die meine gesamte linke Gesichtshälfte zum pulsieren bringen, erfreuen mich auf einmal. Natürlich hatte ich schon öfters Schmerzen aber niemals spürte ich das Auge, das Schläfenbein und das Schädeldach gleichzeitig.

 

Und ich werde so rasend, dass ich jemanden schlagen möchte, irgendjemand

 

Stattdessen spiele ich mit mit meinen Kindern und wirke nach aussen völlig ruhig.

Klingt ein wenig irre aber durch den Kampfsport habe ich gelernt Schmerz auszuhalten. Klingt besser als irre.

 

„Na, wo ist das Positive vom Schmerz jetzt?“

 

Ich denke viel darüber nach, denn obwohl ich die maximale Dosis von Pakemed schon überschritten habe, kann ich die ganze Nacht nicht schlafen und gehe in den Feldern neben meinem Haus spazieren.

Der Schmerz ist fast nicht auszuhalten aber diesmal weiß ich, dass mir nichts passieren kann. Früher hatte ich immer wieder negative Gedankenspiralen und ich vermutete schlimme Krankheiten, wie Krebs hinter meinen Schmerzen.

 

Aber diesmal ist mir klar, dass die Schmerzen von einem Problem kommen, dass in den nächsten Stunden gelöst werden wird.

 

Aber es gibt einen Teil von mir, den der Schmerz nicht zerstören oder angreifen kann. Und für diese Erkenntnis, war der Schmerz diesmal gut.

 

So sitze ich hier beim Zahnarzt und schreibe diesen Artikel während mir immer wieder die Augen zufallen, da ich ganze Nacht nichts geschlafen habe. Aber ich weiß jetzt, dass alle Dinge im Leben einen Sinn haben.    Ich muss jetzt rein, bis bald. 

 

Alles Liebe

Chris

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Kommentare: 1
  • #1

    Heinz Körber (Dienstag, 07 März 2017 09:03)

    Jeden Schmerz so rasch wie möglich loszuwerden, ist eine der Maximen unserer Zivilisation. Dies beschert ganzen Industriezweigen seit geraumer Zeit Hochkonjunktur.
    Erst wenn man heute individuell erlittenen Schmerz aufkommen lässt und nicht sofort
    abstellt, kann man ermessen, was Generationen unserer Vorfahren gelitten haben
    müssen - und dies ohne Hoffnung auf Linderung oder Behebung