MANNSEIN 2017

Ich sitze gerade in der Bibliothek und frage die Frau neben mir wegen eines Kugelschreibers. Doch anstatt des distanzierten: "Entschuldigung,..." kommt diesmal ein großer Grinser gefolgt von einem verbindenden " Hallo, hast du vielleicht etwas zu schreiben für mich?"

Irgendetwas war anders seit ein paar Tagen und ich glaub auch zu wissen, was es ist....


Doch dazu muss ich ein wenig ausholen. Vor einem Jahr wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen, die vom Mannsein handelt. Naja ein Mann war ich ja schon und die Vorstellung mit 350 Männern 2 Tage in einem Raum eingesperrt zu sein, war nicht so prickelnd.
Aber ich würde ein Haufen Referenten für den nächsten Männerkongress vom 1.10.-10.10.2017 kennenlernen. Schon alleine deshalb mußte ich nach Berlin reisen.

Am Bahnhof angekommen hatte ich gleich den ersten Kulturschock. Anfangs dachte ich bin im Ostblock angekommen. Riesige, protzige Denkmäler mit lieblosen Plattenbauten aus den 60er Jahren. Ich gehe sofort in ein Pub, um mich von dem Schock zu erholen.
2 Stunden später wirkt die Architektur schon wesentlicher freundlicher und dann der nächste Schock. Die Menschen in der Ubahn sind extrem offen und freundlich. Immer wieder werde ich in Gespräche über meine Reise verwickelt.
So etwas ist mir seit der Erfindung der Ubahn in Wien noch nicht passiert.

Am  ersten Tag der Veranstaltung lerne ich den Haka kennen. Nachdem hier alle so offen sind, befürchte ich eine Art von Bauchtanz oder ähnliches.
Aber nein, es ist ein Ritualtanz, mit dem sich die Krieger auf die bevorstehende Schlacht einstimmen, der dazu dient, dem Feind Angst einzujagen. Unser Kriegsgeschrei ist auch noch 5 Kilometer weiter zu hören. Der Energieflow ist der Hammer.

Und am nächsten Tag, macht Robert Betz eine Gruppenmeditation "Setz dich mit deinem inneren Kind auseinander". Zuerst will ich den Gruppenkuschler schwänzen, weil mir das eigentlich zu langweilig ist.

Nach den ersten paar Minuten höre ich nur ein leises Schluchzen aus den vorderen Reihen, das langsam an Stärke und Intensität zunimmt. Am Schluss ist es wie ein Tsunami aus unterdrückter Wut, Trauer und Scham, der über uns hereinbricht Und es dauert sehr lange bis ich merke, dass die Flüssigkeit auf meiner Wange aus meinen Augen kommt. Und zum ersten Mal verstehe ich, warum es für einen Mann so wichtig ist, unter seinesgleichen zu sein. Diesen Zugang zu meiner emotionalen Seite wird mir eine Alice Schwarzer nie beibringen können.

Danke liebe Malevolution und ganz besonderen Dank dir, John Aigner für diese außergewöhnliche Veranstaltung. Bezüglich der Annahme, dass wir alle Bisexuelle Anlagen haben, müssen wir noch einmal reden... Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mich unter Männern so wohl fühlen könnte. 
Extrem überrascht bin ich auch, dass mich so viele Menschen mich auf den Online Kongress angesprochen haben. Auch wenn der Online Kongress nicht so starke Eindrücke hinterläßt, so unterstützt er doch die Initiative und kann viele Menschen erreichen.
Ich danke dir, dass du meinen Rechtschreibfehlern verzeihst und dir die Zeit nimmst, um meine Gedanken aufzunehmen, Und hoffe, dass du den Kern der Botschaft nach draußen weitergibst. Für ein besseres Miteinander.

Alles Liebe
Chris